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Radjabov - Caruana (Runde 1)

Die 1. Runde ist zwar schon länger her, aber eine genauere Beschäftigung mit ihren Partien förderte Interessantes zutage! In Runde 1 fiel auf, dass Radjabov viel mehr Zeit als sein Gegner Caruana verbrauchte und recht missmutig dreinschaute, weil ihm keine Initiative gelingen wollte. Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass Radjabov wieder einmal eine Idee von Kramnik übernommen hatte - gespielt in der Partie Kramnik vs. Giri, Dortmund 2011. Caruana allerdings hatte sich prima vorbereitet, verbesserte an zwei wichtigen Stellen Giris Spiel und verbesserte auch eine Computeridee! Hier die entscheidenden Partieausschnitte:


Schwarz am Zug nach 14.e4-e5

Im Grünfeld-Inder hat Radjabov mit dem Zug h2-h4 einen Angriff am Königsflügel einzuleiten versucht. Kramnik hatte sich diese Idee schon im Jahr 2000 ausgedacht, als er sich auf den WM-Kampf mit Kasparov vorbereitet hatte. Aber erst 11 Jahre später - in Dortmund - konnte er die Idee aufs Turnierbrett bringen. Laut GM Stohl schlägt der Computer in dieser Stellung 14...Tf8-d8 vor, mit der Idee, nach 15.Ld2-g5 Td8-d5 zu spielen. Das ist allerdings für den Turm allzu gefährlich. Caruana spielte trotzdem den Turm nach d8, Radjabov fiel drauf rein, zog 15.Ld2-g5, aber dann kam Td8-e8! Im Endeffekt hat Schwarz a) seinen Turm entwickelt, so dass dieser e7 beschützt, b) auf f8 Platz für den Läufer geschaffen, dem ja die lange Diagonale verbaut ist (Stichwort Schnitter) und - ganz wichtig - c) den weißen Läufer auf ein falsches Feld gelockt (denn dieser will nach e3, um den Bauern d4 zu beschüten).

 


Schwarz hat eben 16... h7-h6! gezogen.

Randbauernzüge, die sogenannten Eselsohrenzüge, kommen bei Großmeistern wie Amateuren hinreichend oft vor, mit dem Unterschied, dass die großmeisterlichen Randbauernzüge Sinn machen. Den Sinn von 16... h7-h6 kann man verstehen, wenn man die Vorgängerpartie zwischen Kramnik und Giri kennt. Dort spielte Giri nicht h7-h6, mit der für ihn unangenehmen Folge, dass Weiß nach h4-h5 einen Bauerntausch erzwingen konnte und Angriffschancen bekam. Caruana ist ein Meister der Prophylaxe und verhindert, dass sich am Königsflügel die Bauern tauschen können: Spielt Weiß h4-h5, dann würde einfach g6-g5 folgen. Radjabov muss recht unzufrieden sein, weil ihm keine Initiative gelingen mag ... aber vielleicht gelingt etwas am Damenflügel:

 


Schwarz am Zug nach 18. Ta1-b1

Der Bauer b7 ist angegriffen. Giri zog, als sein b7-Bauer angegriffen war, b7-b6, was aber eine Schwächung seiner weißen Felder am Damenflügel zur Folge hatte. Caruana betonierte lieber seine Stellung zu, und zwar mit 18... Ta8-b8! Und wieder kann Radjabov keinen Schwachpunkt im gegnerischen Lager ausmachen.

 


Die Angst vor Sd5-b4 löst den Remismach-Effekt aus

Weiß am Zug: Radjabov wollte den schwarzen Springer nicht nach b4 lassen und zog deshalb 24.Le3-d2. Danach kam es aber zur Remisschaukel: 24...Sd5-b6 mit Turmangriff auf d4, also 25.Ld2-e3, und dann wieder 25... Sb6-d5 und so fort - Remis !

Die Partie fand ich recht interessant, vor Ort, weil Caruana alle gegnerischen Chancen auf Initiative vereitelte (das konnte man Radjabov auch direkt ansehen), und im häuslichen Schachlabor, weil ich anhand der Vorgängerpartie Kramnik-Giri die vielen Verbesserungen von Schwarz sehr genau verstehen konnte.

Schon gesehen? Hot shots aus Runde 4: Caruana - Carlsen, aus Runde 5: Nakamura - Navara und aus Runde 6: Radjabov - Karjakin